Ein Mode‑Überblick: Vom Hamburger Jungen zur globalen Legende
Karl Lagerfeld gehört zu den leuchtendsten Figuren der Modewelt des vergangenen Jahrhunderts. Geboren 1933 in Hamburg, begann Lagerfeld bereits in jungen Jahren, sich im internationalen Modezirkus einen Namen zu machen. Nach einem frühen Preisgewinn 1954 folgten Engagements bei etablierten Pariser Modehäusern, bevor er 1983 die künstlerische Leitung von Chanel übernahm – eine Rolle, die ihn endgültig zur Ikone machte. Daneben prägte er jahrzehntelang das italienische Luxushaus Fendi und baute parallel seine eigene Marke auf, die sowohl Couture als auch Accessoires und Lifestyle-Kollektionen umfasste.
Stilistisch legte Lagerfeld Wert auf Präzision, Disziplin und Ideenreichtum. Klassiker der Modegeschichte wie der Chanel-Blazer oder seine Interpretationen der Nadelstreifenhose sind untrennbar mit seinem Namen verbunden. Hinter dem kühlen Auftreten verfolgte Lagerfeld stets das Ziel, Mode als kulturelles Statement zu positionieren – ein Anspruch, der ihm Bewunderer und Kritiker zugleich einbrachte.
Ein Vermächtnis in Millionen‑Höhe
Karl Lagerfeld hinterließ bei seinem Tod im Februar 2019 ein riesiges, aber schwer zu fassendes Vermögen. Laut PEOPLE wurde sein Nachlass auf rund 270 Millionen US‑Dollar geschätzt – ohne dabei alle Immobilien, Sammlungen und Markenrechte einzubeziehen.
Andere Medien sprechen von deutlich höheren Werteinschätzungen. Bunte berichtete, dass Lagerfelds Gesamtvermögen in die Höhe von bis zu 800 Millionen Euro taxiert worden sei, wobei unklar bleibt, wie genau dieser Betrag zustande kommt und wie viel davon tatsächlich zum Zeitpunkt seines Todes noch Teil seines zu vererbenden Nachlasses war.
Diese Bandbreite ist typisch für große Künstler‑Vermögen: Neben liquiden Mitteln gehören Immobilien, Markenrechte, Lizenzverträge, Design‑Archive und Sammlungen dazu – alles Wertelemente, deren Marktwert stark schwanken kann. So wurden in Auktionen allein Verkäufe seiner persönlichen Kunst und Designstücke in zweistelliger Millionenhöhe erzielt.
Testament ohne direkte Familie: Keine Erben in der Blutsverwandtschaft
Karl Lagerfeld war nie verheiratet und hatte keine eigenen Kinder. Zu seinen lebenden Blutsverwandten zählte unter anderem eine Schwester, der er lange Jahre praktisch keinen Kontakt pflegte. Deren Kinder, Lagerfelds Nichten und Neffen, gingen laut PEOPLE davon aus, gar nichts aus dem Testament zu erhalten – sie hätten ihren Onkel kaum gekannt.
Rechtlich gesehen hätten Geschwister und deren Kinder in Deutschland ohnehin keinen Anspruch auf einen Pflichtteil, da dieser nur Ehegatten und Abkömmlingen zusteht. In Frankreich, wo Lagerfeld lebte, gelten ähnliche Regelungen: Nur direkte Nachkommen und Ehepartner sind Pflichtteilsberechtigt.
Lagerfeld soll zu Lebzeiten einmal gesagt haben, dass er „keine Familie“ mehr habe – ein Satz, der seine distanzierte Sicht auf Blutsverwandtschaft gut widerspiegelt und erklärt, warum sein Testament hauptsächlich Menschen berücksichtigt, die ihm persönlich nahe standen.
Die Begünstigten: Weggefährten, Musen und persönliche Vertraute
Anders als bei klassischen Erbfällen standen bei Lagerfeld nicht Verwandte, sondern Personen aus seinem persönlichen und beruflichen Umfeld im Zentrum. Wie Bunte schreibt, sollen rund sieben Hauptbegünstigte Teile des Vermögens erhalten – darunter:
- Sein langjähriger Freund und Bodyguard Sébastien Jondeau,
- Modell und Muse Baptiste Giabiconi,
- Kommunikations‑Direktorin Caroline Lebar,
- Seine Haushälterin Françoise Caçote,
- Die Models Brad Kroenig und Jake Davis,
- Und sein Patenkind Hudson Kroenig, Sohn von Brad Kroenig.
Dass Lagerfeld gerade Menschen auswählte, die ihn über Jahre, teils Jahrzehnte begleiteten, zeigt seinen pragmatischen Blick auf Loyalität und Nähe – Kriterien, die für ihn wichtiger waren als verwandtschaftliche Bindung.
Choupette: Millionen für die berühmteste Katze der Welt
Fast symbolisch für Lagerfelds exzentrischen Lebensstil ist die Rolle seiner geliebten Katze Choupette. Die Birman-Katze, die Lagerfeld 2011 „adoptierte“, wurde selbst zu einer kleinen Berühmtheit mit Agenten, eigenen Marketing‑Deals und sozialen Medien. Wie Variety berichtet, soll Choupette so zentral im Testament stehen, dass die Verteilung des restlichen Nachlasses erst nach ihrem Tod beginnen soll – sie habe bis dahin ein lebenslanges Recht auf Versorgung in Luxus-Umgebung.
Tatsächlich konnte ein Tier rechtlich nicht direkt erben – in Frankreich gelten Tiere als „Sachen“. Doch Lagerfeld regelte dies über Treuhand‑ und Betreuungsstrukturen: Ein Teil seines Vermögens wurde in Fonds oder Renten umgewandelt, die Choupette und ihre Betreuung absichern.
Ein Originalzitat von Lagerfeld unterstreicht das liebevolle Verhältnis zum Tier:
„Choupette wird unter anderem von meinem Vermögen profitieren und genug bleibt für alle, die mir wichtig sind.“
Choupette hat zudem ein eigenes Einkommen durch Marketing‑Deals und Kooperationen, das mehrere Millionen Euro umfasst – ein Beweis dafür, wie Medien und Modewelt Realität und Fiktion im Leben des Designers verschmelzen ließen.
Streit und Verzögerung: Erbe noch nicht vollständig verteilt
Trotz einer klaren Willensbekundung ist Lagerfelds Erbe bis heute nicht vollständig abgewickelt. Mehrere potenzielle Erben warteten laut Medienberichten Jahre auf die Verteilung – nicht zuletzt, weil komplexe Immobilien‑Bestände, internationale Steuerfragen und rechtliche Anforderungen in Frankreich und Monaco involviert sind.
Es existiert zudem eine juristische Auseinandersetzung um Teile des Nachlasses, etwa um die Interpretation des Testaments und die genaue Zuteilung von Vermächtnissen. Diese Prozesse machen deutlich, dass auch bei größten Vermögen Testament und Realität nicht immer ohne juristischen Reibungswiderstand ineinander übergehen.
Eine Vision, die weit über Geld hinausgeht
Karl Lagerfelds Erbe ist nicht nur eine finanzielle Angelegenheit. Es ist ein Spiegelbild seiner Lebensphilosophie: präzise, kontrolliert und mit einem ungewöhnlichen Fokus auf persönliche Nähe statt familiäre Bindung. Sein Testament zeigt ein Menschenbild, das Loyalität und gemeinsame Lebenswege stärker gewichtet als traditionelle Beziehungen.
Während sein modisches Vermächtnis in Kollektionen, Ausstellungen und kulturellen Referenzen weiterlebt, bleibt seine testamentarische Entscheidung ein Thema von öffentlichem Interesse – nicht nur wegen der Höhe des Vermögens, sondern wegen dessen ungewöhnlicher Verteilung.
Am Ende steht die Erkenntnis, dass Karl Lagerfelds Einfluss weit über die Laufstege von Paris hinausreicht, tief hinein in die Art und Weise, wie wir Erbschaften verstehen: nicht nur als Vermögen, sondern als Botschaft darüber, wer einem im Leben wirklich wichtig war.
Trends im Blick
Entdecke starke interessante Stories, aktuelle Trends und besondere Themen aus Entertainment, Lifestyle und Adrenalin auf New Men Mag.
*Diese Seite enthält Affiliate-Links. Käufe, die über diese Links getätigt werden, können eine Provision einbringen – für dich entstehen keine zusätzlichen Kosten.







